2004 und 2009 habe ich zunächst zwei Texte veröffentlicht zum Thema Verschickungen: „Tante Anneliese“ in der Literaturzeitschrift Risse, und der literarische Text: „Hände hoch oder ich bin verloren“, in der Literaturbeilage der jungen Welt. Seither sammeln sich auf meiner Webseite Berichte von Betroffenen, die durch meine Texte aufgewühlt wurden und denen schmerzhafte Erinnerungen hochkommen. Die Berichte kamen als Kommentare von Betroffenen von Kassenverschickung aus den 50-80/90er Jahren, die ihre Aufenthalte, in medizinischen Kinderheimen und Kinderheilanstalten, die der Gesundheit dienen sollten, traumatisch erlebten haben.

Ab 2019 bin ich mit einigen von ihnen in Kontakt gekommen und wir haben die Seite: www.verschickungsheime.de und einen Verein zur Aufarbeitung und Erforschung dieses Phänomens und später die „Initiative Verschickungskinder“ gegründet. Dort überall sammeln sich ebenfalls inzwischen Kommentare traumatischen Inhalts.

Durch Recherchen haben wir inzwischen viel herausgefunden, mehr dazu im Buch: Das Elend der Verschickungskinder. Unter anderem, dass allein in Westdeutschland über 30 und mehr Jahre, um die 8-12 Millionen Verschickungskinder allein, ohne ihre Eltern in weit entfernte Heime mit der Bahn, zT in Nachtzügen, verschickt wurden, dort von überfordertem, oft nicht pädagogisch ausgebildetem Personal empfangen wurden und Härten erlitten. Erinnert werden in bisher weit über 5000 gesammelten Fragebögen: Demütigungen, Erniedrigungen, Gewalt und auch sexuellen Missbrauch. Durch Aktenstudium ist schon herausgekommen, dass in diesen Heimen Medikamentenversuche im Auftrag der Pharmaindustrie vorgenommen wurden (Belegt für Bad Dürrheim), dass Todesfälle von Kindern durch Verprügeln und Ersticken an Nahrungsmitteln vorkamen (Bad Salzdetfurth), dass Überbelegung und Unterbesetzung in den Heimen die Regel waren. Die Forschung des Phänomens steht noch ganz am Anfang, sicher ist aber, dass diese Vorkommnisse bisher noch niemals Gegenstand der Forschung gewesen sind. Alle Fachdisziplinen sollten sich angesprochen fühlen, dieses bisher von der Geschichte vergessene Thema, dessen Zusammenhänge und Hintergründe zu ergründen. Erste Anregungen dazu hier.

Ich selbst bin mit 5 Jahren (1960) für sechs Wochen, nach Wyk auf Föhr, ins Hamburger Kinderheim und mit 8 Jahren (1963) für acht Jahren ins DRK Heim Johannaberg in Berlebeck verschickt worden. Beide Häuser stehen noch, aber die Hausherren verweigern mir jeweils den Besuch. Ein Besuch in diesen Häusern ist für uns als Betroffene sehr wichtig für die individuelle Aufarbeitung. Dadurch können wir unsere innere Kinder, die wir in diesen Räumen allein und verängstigt zurückgelassen haben, dort abholen und uns, nun als Erwachsene, auf ihre Seite stellen und ihnen dadurch Kraft geben.

Welche mehr wissen wollen, können auf die Webseite: www.verschickungsheime.de gehen. Diese Webseite ist die bundesweite Webseite der Betroffenen, sie erhält bisher keinerlei Unterstützung oder Förderung, hat aber mit ca 200 neuen Anfragen Betroffener pro Woche zu tun. Über 5000 haben bereits an einem von uns entwickelten Fragebogen teilgenommen, der internationalen Standards genügt. Dort können sich noch weitere Betroffene melden. Auch einen Newsletter können Sie bestellen, hier:

Die Politik und die Träger müssen sich ihrer Verantwortung stellen, Anfänge dazu sind initiiert.